Mont Blanc 4808 m

Mont Blanc vom Grand combin aus gesehen

Mont Blanc vom Grand combin aus gesehen

Der Mont Blanc ist auch so ein Berg, den man einfach mal „gemacht“ haben muss, will man als ernsthafter Bergsteiger gelten. Dabei kann man mit einer Besteigung eher Nicht-Alpinisten beeindrucken, gilt er doch als technisch einfach, zumindest, was den Normalweg, den Bossegrat angeht. Auf keinen Fall unterschätzen sollte man die Dimensionen des Berges, seine stattliche Höhe von 4808 m und die Ausgesetzheit. Nach Westen hin erstreckt sich plattes Land, so dass die Windgeschwindigkeiten auf den Graten und auf dem Gipfel meist deutlich höher liegen, als man das von anderen Viertausendern gewöhnt ist. Ist die Routenfindung bei schönem Wetter auch noch so einfach – hunderte von Gipfelaspiranten treten einfach eine gewaltige Spur – so kann das bei Nebel oder im Schneesturm ganz anders aussehen. Jedes Jahr kommt es zu Unfällen, bei denen Bergsteiger erfrieren, nicht zuletzt, weil der Berg häufig zum Ziel schlecht vorbereiteter und nicht ausreichend akklimatisierter Bergsteiger wird, gerade weil er so ein Prestigeziel ist.

Achim beim Kartenstudium

Achim beim Kartenstudium

All das liess uns bis lang immer einen Bogen um den weissen Riesen machen, aber nach dem wir eine Woche in La Fouly bei besten Firnbedingungen Akklimatisierungstouren unternommen hatten, nahmen wir ihn doch in Angriff. Außerdem hofften wir, das Anfang Juni der Andrang überschaubar sei, vor allem weil die Zahnradbahn noch nicht in Betrieb war und sich somit der Anstieg bis zur Tete Rousse deutlich verlängerte. Ausnahmsweise gönnten wir uns eine Hüttenübernachtung, die Tete Rousse war gerade frisch renoviert und der Andrang mehr als überschaubar. Gerade mal 20 Leute waren auf der Hütte, wir hatten sogar einen Schlafsaal für uns, unglaublich. Normalerweise herrscht bereits hier Gedränge. Auf ca. 3800 m gibt es noch eine weitere Hütte, das Refuge de Gouter, dort gibt es offiziell 110 Betten, belegt werden aber meistens 140 und wenn das nicht reicht, dann auch noch der Fußboden. Rechnet man die Betten von der Tete Rousse noch dazu, dann wundern einen Bilder nicht, an denen eine Menschenkette den gesamten Bossegrat bis zum Gipfel zieht.

Sonnenaufgang auf dem Dome de Gouter

Sonnenaufgang auf dem Dome de Gouter

Außer uns wollten noch zwei Engländer am nächsten Tag Richtung Gipfel starten, allerdings stiegen sie nach dem Abendessen noch bis zur Refuge de Gouter auf, während wir beim Schachspielen versuchten, das mehr als deftige Hüttenabendessen zu verdauen. Nach einer sehr kurzen Nacht brachen wir um 2 Uhr auf, zunächst galt es, das Grand Colouir zu queren um in dessen Begrenzungsfelsen bis zum Refuge des Gouter aufzusteigen. Die 300 hm waren genau das richtige, um warm zu werden. In der Hütte war bereits Licht und wir dachten schon, die Engländer zu treffen, aber es waren zwei Sachsen oder Thüringer, die mit riesigen Rucksäcken schwerfällig aufbrachen. Auf unsere Frage nach ihrem Ziel sagten Sie uns, dass sie eine Überschreitung des Mont Blancs planten und zur Aiguille de Midi absteigen wollten. Irgendwie wirkten sie etwas überladen und überfordert, später am Tag sollten wir sie nochmal treffen.

Beim Aufstieg zur Tete rousse

Beim Aufstieg zur Tete rousse

Von der Refuge de Gouter geht es zur Dôme de Goûter, einer riesigen Firnkuppel, 4304 m hoch und in den offiziellen Listen als eigenständiger Viertausender genannt. Im Morgengrauen waren die Entfernung an dessen Firnflanken sehr schwer zu schätzen, die Dimensionen sind einfach ein bisschen größer. So war der Aufstieg bis auf dem Dome de Gouter ein ewiger Hatsch und wir waren froh, als wir bei Tagesanbruch gegen halb fünf die Kuppel überwunden hatten und sich uns ein erster Blick auf den Gipfelaufbau des Mont Blanc bot. Im ersten Moment dachte ich, es sei noch gar nicht der Gipfel, sondern nur ein weiterer Vorberg, bis ich das winzige Vallot-Biwak entdeckte und die wahren Dimensionen erkannte. Die Biwakschachtel war schon von aussen total verdreckt, unglaublich, das manche diese knapp 4500 m hoch gelegene Dreckschachtel in ihre Tour fest einplanen und sich tageweise den Berg hochkämpfen. Wir jedenfalls ließen Seil und Rucksäcke zurück und machten uns nur mit Steigeisen und Pickel an der restlichen Aufstieg.

Einsamer Aufstieg über den Bossegrat

Einsamer Aufstieg über den Bossegrat

Die Bedingungen war einfach fantastisch, fester Trittfirn machte das Steigen zum Genuss und durch unsere gute Akklimatisation spürten wir die Höhe kaum. Das Beste war aber eindeutig, dass wir fast komplett alleine waren. Die Engländer hatten wir bald eingeholt und sonst war keiner mehr vor uns. Erst am Gipfel trafen wir andere Bergsteiger, die von der italienischen Seite aufgestiegen waren. Der Ausblick vom Mont Blanc gehört nicht gerade zu den spektakulärsten, aber eindrucksvoll ist die Perspektive schon, fast wie aus einem Flugzeug. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Blick nach Westen, wo nichts als plattes Land liegt.

Der Abstieg klappte dann auch reibungslos, am Vallot-Biwak trafen wir die beiden Ossis wieder, die immer noch tapfer ihrer Monsterrucksäcke Richtung Gipfel schleppten. Sie konnten sich von uns auch nicht bewegen lassen, die Rucksäcke zurückzulassen und nach dem Gipfel vom Vallot-Biwak zur Aiguille de Midi abzusteigen. Auf der Firnkuppel des Dome de Gouter hatten wir ein bisschen Schwierigkeiten, den richtigen Einstieg in die Flanke zu finden. Wie das wohl bei Schneesturm oder Nebel aussehen mag? Am Refuge de Goûter füllten wir uns mit Tee auf und stiegen dann weiter zur Tete Rousse ab. Die Begrenzungsfelsen dort sind teilweise mit Stahlseilen versichert, was eigentlich völlig überflüssig ist und den Weg ein bisschen zum Klettersteig m

acht. Und tatsächlich, es kam uns eine einzelne Frau mit Klettersteigset entgegen. Man soll mich bitte nicht falsch verstehen, ich bin ein Fan von Klettersteigen, aber der Mont Blanc ist nun mal kein solcher. Meiner Meinung nach sollten Leute, die schon bei besten Bedingungen und schönem Wetter Mühe haben, sich in mehreren Tagen auf den Berg zu schleppen, lieber andere Ziele in Angriff nehmen.

Abstieg durch das Couloir blanche über der Tete rousse

Abstieg durch das Couloir blanche über der Tete rousse

Von der Tete Rousse, die wir um kurz vor 12 erreichten, blieb uns noch der rutschig-lustige Abstieg zum Nid‘Aigle und der lange lange Weg nach Bionnassay. Insgesamt 3400 hm bergab. Entsprechend müde aber auch unsagbar glücklich fielen wir zurück in La Foluy in unsere Betten. Den Mont Blanc fast allein bei solchen Bedingungen besteigen zu können, gehört sicher zu den Bergsteigerträumen, die nicht für jeden in Erfüllung gehen.

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Kurze Tourenbeschreibung:

Von Bionassay zu Fuß bis Nid'Aigle, weil die Bahn noch nicht fuhr. Von dort aus weiter durch das große Firncouloir zur Tete Rousse. Nachts gehts erst steil zur Refuge de Gouter und dann über den Dome de Gouter bis zur Vallot-Biwakschachtel. Dort beginnt der eigentliche Bossegrat, dem man leicht bis zum Gipfel folgen kann.
Fotos vom Montblanc
Besonders heikel kanns bei schlechtem Wetter auf dem Dome de Gouter werden, weil es dort schon bei guter Sicht schwer ist, die Orientierung zu behalten. Im Whiteout dürfte das ungleich schwerer sein.