Dente Blanche – 4356 m
Aus der Kategorie Bergsteigen vom 22.08.2004
Wieder einmal hatten wir eine ganze Woche Urlaub genommen, um ein paar schöne Berge im Wallis zu machen. Die Dent Blanche stand schon lange auf unserer Liste. Nicht nur weil es ein absolut faszinierender Berg ist, mit 4 messerscharfen Graten, die genau in die Himmelsrichtungen zeigen. Die Abgeschiedenheit und der lange Anmarsch zur Hütte machen den Aufstieg zu einem ganz besonderen Erlebnis. Es ist eine wirklich unberührte alpine Umgebung, mit jedem Schritt Richtung Berg kehrte in mir mehr Ruhe ein, mit jedem Schritt eröffnet sich mehr der fantastische Anblick der steilen Nordwand der Dent Blanche. Nach dem ermüdenden Anstieg erholten wir uns bei Suppe und Schokolade in der Hütte um dann kurz darüber unser Biwakzelt aufzuschlagen.
Am nächsten Morgen gings wie gewohnt in aller Frühe im Dunkeln los, nach 20 min merkte ich dann auch schon, das ich das Seil vergessen hatte, also noch mal zurück, was ist ein Bergsteiger schließlich ohne Seil! Der Fels ist schön gegliedert und kompakt und wenn man sich an die Wegbeschreibung hält, ist die Dent Blanche ohne Probleme auch seilfrei zu gehen. Wenn man allerdings wie wir jeden verlockenden Wegspuren folgen muss, der findet sich gern auch mal in brüchigem, abschüssig geschichtetem Gelände wieder. Da standen wir nun, 3 m unterhalb des Grates und mussten zusehen, wie die anderen Bergsteiger an uns vorbeizogen. Zurückzugehen hätte noch mehr Umweg bedeutet, richtig sichern ließ sich in diesem Gelände ohne Normalhaken auch nicht gescheit. Nach einigem Rumprobieren fand ich einen Ausweg, in dem ich mit der linken Hand um einen Felsvorsprung tastete und dort wie für uns gemacht einen Riesen-Henkel fand. Nun mussten wir nur noch kurz beherzt den Hintern über den Abgrund schwingen und mit ein paar einfachen Zügen waren wir wieder am Grat. Schöne Aussicht am Gipfel und die Vorahnung, dass wir dem Matterhorn doch nicht auf ewig widerstehen konnten. Nach unproblematischem Abstieg und langem Weg zurück ins Tal gönnten wir uns noch eine Nacht im tollen Bed-n-Breakfeast in Evolene um dann im strömenden Regen nach Hause zu fahren.





